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Brecht, Web 2.0, TheaterGerade hatte ich nochmals die spannenden Diskussion zu „Staatstheater und Web 2.0″ auf Christian Henner-Fehrs Kulturmanagement-Blog durchgesehen. Das sind wunderbare „gute“ Beispiele für meine vielfach geäußerte Meinung, dass man Kulturschaffenden eben nicht nachhaltig mit BWLer-Jargon und Marketing-Lehrsätzen vom Web 2.0 überzeugen kann. Ich will nicht ausholen und meinen Ansatz hier im Detail ausrollen sondern nur ein ganz kurzes Beispiel bringen: Web 2.0 heißt nicht Marketing sondern, dass wir (die User) nun den Content (Kunst und Kultur) mitgestalten können, eben User-Generated-Culture. Ein Beispiel für die Theaterleute: Bekanntlich war Brecht vom neuen Medium Radio sehr begeistert. Er machte sich jedoch keine Gedanken, wie er mit Hilfe des Radios das Marketing für seine Theaterstücke ankurbeln könnte sondern überlegte, wie er in diesem neuen Medium seine ‚Kunst‘ - etwa Hörspiele etc. - verwirklichen könne. Also: Nicht eben nur ein wenig twittern, damit mehr Leute in das Theater strömen (das ist nur ein netter Nebeneffekt) - nein, Theater muss nun in das Web hineingedacht werden.

Kaktus von Juli ZehWer sagt’s: Kunst ist Kaktus – endlich auch auf der Bühne! Gestern wurde im Münchner Volkstheater Juli Zehs Theaterstück „Kaktus“ uraufgeführt. Die Autorin, die erst vor kurzem zusammen mit Ilija Torjanow das vieldiskutierte Buch „Angriff auf die Freiheit“ veröffentlich hatte, nennt ihr Theaterstück eine „Boulevardkomödie“, in der es darum geht, dass ein terrorverdächtiger Kaktus von der Polizei verhört wird. Nach der Premiere spricht die Kritikerin Laura Freisberg im Deutschlandradio Kultur von viel Comedy und etwas zu wenig „intellektueller Auseinandersetzung“ mit dem Thema Folter, das aber doch irgendwie funktioniert: „Unterhaltsamer Theaterabend, der nachwirkt.“ Klar, mit Kaktus wirkt’s immer, oder?

KM-MagazinIn der aktuellen Ausgabe des „KM Magazin“ ist auf der Seite „Linktipps zu Blogs über Web 2.0 im Kunst- und Kulturbereich“ auch ein Link zu diesem Blog zu finden. Mich ehrt es zwar sehr, in einer Reihe mit kulturblog.netKulturmanagement-Blogkulturmarketingblog.de und anderen „berühmten“ Blogs zu stehen – aber um ganz ehrlich zu sein passt es eigentlich nicht in diese Reihe. Mein Blog dreht sich nur ganz am Rande um das Thema „Web 2.0“, Kulturmarketing und Kulturmanagement. Die eigentliche Idee des Blogs war eine andere – aber das ist eine lange Geschichte…  In Kürze: Irgendwas zwischen totalem Unsinn Medienkunst  oder besser: zwischen „Kunstblog und Blogkunst“ (wie Christan Henner-Fehr es mal treffend bezeichnete). In einem Interview im Rahmen der stART-Konferenz wurde mir auch kürzlich die Frage gestellt, was es mit meinem Blog auf sich hat und ich zitiere mich hier einfach mal selbst:

Mein Blog-Projekt kunstistauchkaktus.de, für das ich von Dezember 2007 bis Dezember 2008 täglich gebloggt habe, war eigentlich nur ein kleiner Spaß, zu dem mich ein befreundeter Medienkünstler inspiriert hatte. Und die Idee, dass Kunst auch irgendwie Kaktus ist, habe ich aus einer knapp hundert Jahre alten satirischen Kurzgeschichte von Otto Julius Bierbaum entlehnt. Auch das lässt sich in Kürze auch gar nicht so leicht erklären. Wichtiger ist vielleicht hier nur zu sagen, warum ich so was immer wieder gerne mache: Bei solch spielerischen Projekten kann man mit den Tools und Instrumenten des Web 2.0 optimal und beinahe „gefahrlos“ experimentieren um die nötige Erfahrung zu sammeln, die dann bei „ernsthafteren“ Projekten im Bereich Kulturmarketing- oder Vermittlung benötigt werden.

Wer es etwas genauer wissen möchte findet in meinem ersten Blogpost etwas mehr dazu. Und wer gerade diese Zeilen liest und nicht dem Link aus dem KM Magazin (www.kulturmanagement.net) gefolgt ist dem empfehle ich die Lektüre der aktuellen Ausgabe (Nr. 33/Juli 2009)  – nicht nur, weil sich darin ein kleiner Beitrag von mir findet sondern weil es jede Menge spannende Artikel zu „Web 2.0″ im Kulturbereich gibt.

Web 2.42Oder: Warum man aktuelle Projekte nicht mit dem Label „Web 2.0“ versehen sollte.

Das „Web 2.0“ ist Geschichte – und wahrscheinlich sogar eine großartige Geschichte. Nur selten hat ein Buzz-Word so eingeschlagen wie der von Tim O’Reilly Ende 2005 weltweit publik gemachte Begriff. Die Idee der Versionsnummer wurde in alle Bereiche portiert: „Journalismus 2.0“, „Politik 2.0“ ja sogar über „Kochen 2.0“ ist zu lesen – auch wenn meist leider keine so wohlüberlegte Vorstellung wie hinter dem „Web 2.0“ Gedanken von O’Reilly steckte. Doch nun ist der Begriff in die Jahre gekommen. Anfangs sollte damit der innovative Aspekt der Konzepte, Technologien und Geschäftsmodelle herausgestellt werden, die sich jedoch inzwischen schneller als je vermutet als Standard etabliert haben, insbesondere UGC bzw. der große Bereich Social Media/Software. Wer heute irgendetwas bewegen (oder verkaufen) möchte, bedient sich dieser Konzepte. Doch natürlich ist seit 2005 viel geschehen: An den „Web 2.0“-Technologien und Instrumente wurde gefeilt und optimiert, sie wurden erweitert, teilweise verworfen oder überarbeitet. Deshalb halte ich es für unsinnig, aktuelle Projekte mit dem Label „Web 2.0“ zu versehen. Wer dies weiterhin tut dokumentiert nur, dass er die letzten vier Jahre verschlafen hat.

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Kaktus ans Kreuz?Letzten Ostern ging Kippenbergers Frosch am Kreuz mit dem wunderbaren Titel „Die Füße zuerst“ durch die Medien. Inspiriert von dieser 1990 entstandenen köstlich-postmodernen (oder posttraumatischen?) Installation bot mir kürzlich der befreundete Medien- und Installationskünstler Marcel Engel an, am diesjährigen Karfreitag in einer kleinen Performance den Kaktus ans Kreuz zu nageln und dies auf Video zu dokumentieren (der vorgeschlagene Arbeitstitel lautet „Passion Cacti – Ohne Dornenkrone“). Ich bin unschlüssig – da ich den Kunstsachverstand meiner werten Leser sehr schätze rufe ich hier zu einer kleinen Umfrage auf und bitte jeden, ein klein wenig Pontius Pilatus zu spielen:

Umfrage beendet!

Update um 17:10 Uhr: Gerade hat jemand die Umfrage sabotiert und 102x für „Nein“ gestimmt. Zuvor stand es 13 zu 3 (für Ja) – deshalb gerade einen Reset durchgeführt.

Update 23:55 Uhr: Das Endergebnis ist 21 zu 9. Ich wasche meine Hände … ach, Ihr wisst schon.

Unsinn 2.0Gerade habe ich eine Einreichung für das Unwort des Jahres 2009 abgeschickt: Zweinull. Ja, ich kann es eigentlich nicht mehr hören. Um es gleich vorab zu sagen: ich hab nichts gegen Web 2.0 – ganz im Gegenteil. Aber wenn ich heute Mitarbeiter aus Theaterbetrieben, Museen oder Hochschulen voller Begeisterung über das „neue Web 2.0″ reden höre, kommen mir die Tränen. Das „neue“ Web 2.0? Mein Gott, es ist ein alter Hut, wir hatten Euch davon doch schon vor drei – ach – vier Jahren erzählt, erinnert Ihr Euch nicht mehr? Damals mussten wir Euch in unseren Vorträgen noch erklären, was  YouTube ist, was man unter einem Blog versteht und was es mit dieser UGC-Geschichte auf sich hat. Ja, ja, Ihr erinnert Euch nicht mehr, weil Ihr uns damals nicht ernst genommen hattet. „Nur wieder so ein kurzer Hype, morgen ist der vorbei“, Weiterlesen »

Der KnochemannFür gestern Abend hatten wir eigentlich Ballettkarten, sind aber irgendwie zu spät losgefahren und dann eine halbe Stunde im Stau gestanden …  wir haben uns dann spontan für einen ganzen Kinofilm statt einer halben Ballettaufführung entschieden und sind deshalb kurz vor der Staatsoper Richtung Kino abgebogen. Auf Platz eins meiner Wunschliste stand „Der Knochenmann„. Zum einen bin ich ein großer Freund der Romane von Wolf Haas, zum anderen ein Fan von Joesf Hader und außerdem finde  ich, dass die zwei bisherigen Verfilmungen der Brenner-Romane („Komm, süßer Tod“ und „Silentium“) zwei wirklich gelungene Filme sind, da die Selbstironie, der Witz und die Spannung der Romane erfolgreich ins Medium Film transportiert wurde. Aber wenn man mit solch großer Erwartung ins Kino geht, kann man eigentlich nur enttäuscht werden.

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Ende letzten Jahres hatte ich viel über die Geocaching-Community gelesen und hatte da (im Rahmen eines Community-Marketing-Projekts) eine Idee, wie man da etwas für ein Projekt im Bereich Kulturmarketing machen könnte. Viel will ich (bzw. darf ich) dazu noch nicht verraten, auf jeden Fall habe ich Anfang Januar einen Selbstversuch gestartet und war zum ersten Mal beim „Geochachen“. Ich war ziemlich skeptisch, hielt das für etwas kindisch,  muss aber sagen: hat Spaß gemacht!  Inzwischen waren wir schon mehrere Mal unterwegs und habe schon etliche Caches gehoben (und den ein oder anderen auch nicht gefunden). Wer (wie ich) sowieso gerne auf Spazier- und Wanderwegen unterwegs ist (mit dem Rad oder zu Fuß) ist dies ein netter zusätzlicher Spaß. Und: da die aktuelle Handy-Generation bereits teilweise, die kommende komplett mit GPS ausgestattet sein wird, meine viele Experten, dass Geocaching  in den nächsten Jahren zum Volksport wird. Ich bin gespannt.

Für das letzte Jahr hatte ich mir große Ziele gesetzt: jeden Tag ein Foto des Kaktus in dieses Blog zu stellen. Und ich habe es sogar geschafft – egal ob im Theater, in der Oper, im Urlaub, beim Umzug, im Flugzeug, in der Bahn oder im Museum – der Kaktus war täglich dabei und wurde dabei fotografiert. Ein zweites Ziel habe ich jedoch nicht geschafft: Hin und wieder sollte dem Kaktusfoto ein Text hinzugefügt werden, in dem Themen aus dem aktuellen Kunst- und Kulturdiskurs aufgegriffen werden sollten und sich mit dem Motto „Kunst ist auch Kaktus“ auseinandersetzen. Dazu hatte ich mir leider viel zu selten Zeit nehmen können, viele Ideen sind einfach verpufft und aus Mangel an Zeit habe ich dann meist nur die Fotos online gestellt – ohne den eigentlich geplanten beschreibenden Text.

Ja, bloggen kostet viel viel Zeit – vor allem wenn es gut werden soll. Deshalb habe ich für das Blog im Jahr 2009 andere Pläne: der Kaktus wird nicht mehr täglich dabei sein sondern nur noch an Tagen, an den es wirklich etwas über Kunst, Kultur oder irgendwas Kurioses zu berichten gibt – vielleicht zwei oder dreimal im Monat. Weniger ist mehr!

Das Projekt „Kunst ist auch Kaktus!“ geht jedoch abseits dieses Blogs in eine neue Runde. Zusammen mit einem befreundeten Medienkünstler ist ein Projekt geplant, dass den Kaktus aus dem Web heraus mit der Kunst- und Lebenserfahrung im Real Life verbinden soll. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten – natürlich wird in diesem Blog darüber berichtet – ich sage nur: Jeder Mensch ein Kaktus!

Der Jahresrückblick – ein paar Eindrücke aus dem letzten Jahr:

Kunst statt Böller

Die diesjährige Silvesterparty steht unter dem Motto ‘Kunst statt Böller’. Gerade hat jeder begonnen, an seinem Kunstwerk zu basteln, das bis ins neue Jahr fertig werden soll.

Kunst statt Böller

Da mehrere ‘Installationen’ geplant sind verschwinden derzeit Weingläser unter Werkzeugen, Brettern, Schrauben, Nägel, Spraydosen, Leinwänden und Holzkisten.

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