Oder: Warum man aktuelle Projekte nicht mit dem Label „Web 2.0“ versehen sollte.
Das „Web 2.0“ ist Geschichte – und wahrscheinlich sogar eine großartige Geschichte. Nur selten hat ein Buzz-Word so eingeschlagen wie der von Tim O’Reilly Ende 2005 weltweit publik gemachte Begriff. Die Idee der Versionsnummer wurde in alle Bereiche portiert: „Journalismus 2.0“, „Politik 2.0“ ja sogar über „Kochen 2.0“ ist zu lesen – auch wenn meist leider keine so wohlüberlegte Vorstellung wie hinter dem „Web 2.0“ Gedanken von O’Reilly steckte. Doch nun ist der Begriff in die Jahre gekommen. Anfangs sollte damit der innovative Aspekt der Konzepte, Technologien und Geschäftsmodelle herausgestellt werden, die sich jedoch inzwischen schneller als je vermutet als Standard etabliert haben, insbesondere UGC bzw. der große Bereich Social Media/Software. Wer heute irgendetwas bewegen (oder verkaufen) möchte, bedient sich dieser Konzepte. Doch natürlich ist seit 2005 viel geschehen: An den „Web 2.0“-Technologien und Instrumente wurde gefeilt und optimiert, sie wurden erweitert, teilweise verworfen oder überarbeitet. Deshalb halte ich es für unsinnig, aktuelle Projekte mit dem Label „Web 2.0“ zu versehen. Wer dies weiterhin tut dokumentiert nur, dass er die letzten vier Jahre verschlafen hat.
Letzten Ostern ging Kippenbergers Frosch am Kreuz mit dem wunderbaren Titel „Die Füße zuerst” durch die Medien. Inspiriert von dieser 1990 entstandenen köstlich-postmodernen (oder posttraumatischen?) Installation bot mir kürzlich der befreundete Medien- und Installationskünstler Marcel Engel an, am diesjährigen Karfreitag in einer kleinen Performance den Kaktus ans Kreuz zu nageln und dies auf Video zu dokumentieren (der vorgeschlagene Arbeitstitel lautet „Passion Cacti – Ohne Dornenkrone”). Ich bin unschlüssig – da ich den Kunstsachverstand meiner werten Leser sehr schätze rufe ich hier zu einer kleinen Umfrage auf und bitte jeden, ein klein wenig Pontius Pilatus zu spielen:
Gerade habe ich eine Einreichung für das Unwort des Jahres 2009 abgeschickt: Zweinull. Ja, ich kann es eigentlich nicht mehr hören. Um es gleich vorab zu sagen: ich hab nichts gegen Web 2.0 – ganz im Gegenteil. Aber wenn ich heute Mitarbeiter aus Theaterbetrieben, Museen oder Hochschulen voller Begeisterung über das „neue Web 2.0″ reden höre, kommen mir die Tränen. Das „neue” Web 2.0? Mein Gott, es ist ein alter Hut, wir hatten Euch davon doch schon vor drei – ach – vier Jahren erzählt, erinnert Ihr Euch nicht mehr? Damals mussten wir Euch in unseren Vorträgen noch erklären, was YouTube ist, was man unter einem Blog versteht und was es mit dieser UGC-Geschichte auf sich hat. Ja, ja, Ihr erinnert Euch nicht mehr, weil Ihr uns damals nicht ernst genommen hattet. „Nur wieder so ein kurzer Hype, morgen ist der vorbei”,
Für gestern Abend hatten wir eigentlich Ballettkarten, sind aber irgendwie zu spät losgefahren und dann eine halbe Stunde im Stau gestanden … wir haben uns dann spontan für einen ganzen Kinofilm statt einer halben Ballettaufführung entschieden und sind deshalb kurz vor der Staatsoper Richtung Kino abgebogen. Auf Platz eins meiner Wunschliste stand „




















Heute lese ich in der SZ den Rückblick auf den Kunstmarkt 2008. Wie so oft wird auch hier die spektakuläre Hirst-Auktion am 15. September und die am selben Tage verkündete Insolvenz von Lehman Brothers als der Wendepunkt verstanden, der Beginn der Kunstmarktkrise. Muss man also zukünftig von 9/15 gesprochen werden?
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