Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Warum das alles?’ Category

Für das letzte Jahr hatte ich mir große Ziele gesetzt: jeden Tag ein Foto des Kaktus in dieses Blog zu stellen. Und ich habe es sogar geschafft – egal ob im Theater, in der Oper, im Urlaub, beim Umzug, im Flugzeug, in der Bahn oder im Museum – der Kaktus war täglich dabei und wurde dabei fotografiert. Ein zweites Ziel habe ich jedoch nicht geschafft: Hin und wieder sollte dem Kaktusfoto ein Text hinzugefügt werden, in dem Themen aus dem aktuellen Kunst- und Kulturdiskurs aufgegriffen werden sollten und sich mit dem Motto „Kunst ist auch Kaktus“ auseinandersetzen. Dazu hatte ich mir leider viel zu selten Zeit nehmen können, viele Ideen sind einfach verpufft und aus Mangel an Zeit habe ich dann meist nur die Fotos online gestellt – ohne den eigentlich geplanten beschreibenden Text.

Ja, bloggen kostet viel viel Zeit – vor allem wenn es gut werden soll. Deshalb habe ich für das Blog im Jahr 2009 andere Pläne: der Kaktus wird nicht mehr täglich dabei sein sondern nur noch an Tagen, an den es wirklich etwas über Kunst, Kultur oder irgendwas Kurioses zu berichten gibt – vielleicht zwei oder dreimal im Monat. Weniger ist mehr! Zu finden sind die Blogbeiträge ab 2009 unter „Kunstistauchkaktus 2.0″.

Das Projekt „Kunst ist auch Kaktus!“ geht jedoch abseits dieses Blogs in eine neue Runde. Zusammen mit einem befreundeten Medienkünstler ist ein Projekt geplant, dass den Kaktus aus dem Web heraus mit der Kunst- und Lebenserfahrung im Real Life verbinden soll. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten – natürlich wird in diesem Blog darüber berichtet – ich sage nur: Jeder Mensch ein Kaktus!

Der Jahresrückblick – ein paar Eindrücke aus dem letzten Jahr:

Read Full Post »

Da er in den Besitz seines mütterlichen Vermögens gelangt war, so legte ihm dieses Martyrium nicht gerade Entbehrungen auf. Im Gegenteil, er gedieh vortrefflich und wurde ein überaus stattlicher Dreißiger. Nach und nach nahm er sogar das Gepräge jener münchnerischen Wohllebigkeit an, das in der Hauptsache eine Folge des hygienisch durchaus verständigen Grundsatzes ist, immer auf Ruhe bedacht zu sein.

Und doch war es im Grunde gerade mit seiner Ruhe nicht aufs beste bestellt.

Äußerlich freilich erlebte er gar nichts Ruhestörendes, zumal er von der unruhigsten aller menschlichen Krankheiten, der Liebe, durchaus verschont blieb, aber inwendig – ach, inwendig war Kaktus ein Vulkan.

(mehr …)

Read Full Post »

Am Abend dieses Tages ging Kaktus aus und verhöhnte seine Freunde, die im Augustinerkeller saßen, gewaltig.

Bei einer sauren Kalbshaxe und der dritten Maß war er soweit, zu erklären, daß er den Pleinair-Schwindel jetzt praktisch erkannt habe, bis auf die Nieren. jetzt brauchte er bloß ein Retourbillett nach Dachau zu lösen, einen Tag lang sich dort von der Sonne schmoren zu lassen und ein paar Fetzen Wieswachs abzuklauen, und sie würden alle vor ihm auf dem Bauche liegen. Übrigens genügte es auch, einen Dienstmann mit Farbe und Leinwand hinauszuschicken; ein Pinsel sei nicht einmal nötig: so was könne jeder mit Daumen und Handballen hinsetzen. Er fühlte sich jetzt mehr als je zu gut dazu.

Die Freunde fragten ihn sehr bescheiden, ob es erlaubt sei, sein Werk zu betrachten.

Natürlich, sie sollten nur kommen, und sie möchten nur ihre eigenen Dachauereien mitbringen und daneben halten; der Unterschied sei bloß, daß er in einer halben Stunde hingehauen habe, wozu sie einen halben Tag brauchten.

(mehr …)

Read Full Post »

Von Augenbrauen war nur ein flaumiger Ansatz vorhanden. Es ging gleich und ohne weiteres die Stirne an; und das war gut so, denn, da sie oben bald zu Ende war, mußte sie unten soviel als möglich mitnehmen. Jetzt das Haupthaar. Blond ist zu wenig, gelb zu viel. Es war eigentlich gar keine Farbe in ihnen. Aus diesem Grunde geschah es wohl, daß Kaktus zuweilen die Farben, die er gerade auf der Palette hatte, auf seine Haare übertrug. Aber es wäre frivol, deswegen zu behaupten, daß er sich die Hare zu färben pflegte. Es hing das nur mit seiner Gewohnheit zusammen, sich manchmal die Hände nicht ganz zu waschen, eine Gewohnheit, die wahrscheinlich auf koloristische Gründe zurückzuführen ist und bei Malern der verschiedensten Schulen nicht selten beobachtet wird. Im übrigen gehörten seine Haare nicht zu denen, die man Locken heißt. Sie ringelten sich nicht im geringsten und hatten überhaupt die Tendenz, einer bestimmten Form, was man so Frisur nennt, auszuweichen. Ihre Lieblingslage war ein freies Durcheinander; man kann Ähnliches sehen, wenn man nach einem starken Gewitter an einem Kornfeld vorübergeht.

(mehr …)

Read Full Post »

Sonderbar, was da für ein Wind wehte, was da für Reden geführt, für Bilder gemalt wurden. Kaktus traute seinen Ohren und Augen nicht und wurde – wütend, wurde – Kaktus.

Nein, das war sein Standpunkt nicht!

„Was!?“ rief er, „Das soll Kunst sein!? Das is a Schweinerei! A Gepatz! Wie? In der Sonne sitzen und spannen, was sie für Klexe auf an Heustadel macht? A nette Kunst! Saustall! Pfui Deixel!“

„No, no!“ riefen da die andern, „Sie reden halt, wie Ihnen der Schnabel in der Akademie dreht worden is. Schaun Sie sich doch erst mal um, was draußen vorgegangen is, in der Welt, in Paris, und dann wolln wir weiter reden.“

(mehr …)

Read Full Post »

Es ist nicht zu schildern, mit welchem Hochgefühl er zum ersten Male durch die langen Korridore mit den schönen gipsernen Standbildern schritt. Zeichnen, malen dürfen, nicht heimlich, sondern mit Approbation und ausdrücklich unter dem Zeichen des Lebenszweckes – welch ein Gefühl! Seine Zuversicht war groß, und sie durfte es sein, denn der alte Professor, der seine mitgebrachten Sachen besehen hatte, hatte ihm mit einem freundlichen Grunzen erklärt: „Können tun S’no nix, aber werden kann’s was, wenn S‘ was tun.“

Kaktus tat was. Er fraß sich durch die Gipsmauer der Anfängerklasse mit der Beharrlichkeit einer lüsternen Maus durch, die hinter der Holzwand Speck riecht. Er lernte in den verschiedenen Sälen bei den verschiedenen Professoren, was zu lernen war, und erntete viel Lob und ein gutes Schülergewissen.

Ich nenne ihn immer schon Kaktus, aber er war es eigentlich noch nicht.

(mehr …)

Read Full Post »

Otto Julius Bierbaum: Kaktus. Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte

Seitdem die Dampfmaschinen erfunden worden sind und dann das übrige Zeug, das alles schleunig macht, ist in die Zeit ein Entwicklungstempo gekommen, bei dem einem der Weltkapellmeister von Herzen leid tun kann. Er taktiert gewiß schon längst mit dem linken Arm, weil ihm der rechte lahm ist. Es geschehen jetzt auf allen Gebieten, vielleicht die Liebe ausgenommen, in der sich seit Adam und Eva immer alles gleich geblieben ist, in einem Jahrzehnt Umwälzungen, für die frühere Zeiten gut ein paar Jahrhunderte brauchten. Die Leute erfinden mit einer Geschwindigkeit immer wieder neues, daß gar nichts mehr alt werden kann. Gestern saß einer noch stolz auf seinem neuen Zweirad mit dem Bewußtsein, alle Errungenschaften der Technik zwischen den Beinen und in der Hand zu haben, heute überradelt ihn schon eine neue „Marke“, gegen die sein Flitzrad ein rückständiges Möbel ist, und morgen hat er die Empfindung, in einer Postkutsche zu fahren, wenn er die allerneuesten Marken an sich vorübersausen sieht. Das ist die moderne Variante des guten, alten Liedes: „Gestern noch auf stolzen Rossen usw.“ Die Fabrikanten wissen es wohl zu singen und oft recht wehmütig.

Am eiligsten aber hat’s die Kunst. Auch die Musen haben heutzutage Hosen an und fahren Rad. Die Tunika und der langsame Schreitetanz um feststehende Altäre sind aus der Mode. Die Damen trainieren sich und halten die schwierigsten Parforcetouren aus. Selbst Melpomene, die Breithüftige, radelt gewaltig schnelle; vor keiner Pfütze scheut sich die Unerschrockene.

(mehr …)

Read Full Post »

Older Posts »