Mike Nichols „Der Krieg des Charlie Wilson“ als großartige Satire zu bezeichnen, wie in vielen Kritiken geschehen, ist etwa so, wie wenn man eine Rose ein Kakteengewächs nennt. Ja, Dornen oder Stacheln haben die beide, aber der Schmerz beim Anfassen ist anders. Bei „Charlie Wilson“ fehlt dieser, auch wenn es kurzweilige Unterhaltung ist, kommt kaum was in Gang.
Einige schöne schauspielerische Leistungen – insbesondere Philip Seymour Hoffman als Gust Avrakotos (was derzeit vielen Blogs zu lesen ist, siehe etwa Lebensmittelpunkt oder Hirngabel). Anonsten: Viele Anspielungen, nette Späße über das Dasein als amerikanischer Kongressabgeordneter - aber die nur ganz zart angedeutete Anklage, dass dies alles mit 9/11 und den heutigen weltpolitischen Verhältnisse in Zusammenhang stehen könnte ist im Vergleich zu den Bildern über die bösen, bösen, Kommunisten viel zu leise und macht den Film zu einer Rose. Einen Kaktus hätte ich lieber gesehen.
Also ich muss sagen: Ich fand den Film grausam. Es gab vielleicht ein paar gute Gags, aber insgesamt wirkte es eher wie ein Propagandafilm aus der Zeit des kalten Krieges.
Und gerade solche Szenen wo russische Hubschrauber zu klassischer Musik abgeschossen werden sind eine Geschmacklosigkeit. Den aktuellen weltpolitischen Hintergrund, nunja der erschloss sich wohl eher hintergründig. Auch das Zitat am Ende wirkte eher wie eine Falle für die Kritiker als wirklich ernstgemeint.